SW Infrarot Fotografie

Startseite mit Rahmen laden

Infrarot Fotografie - Erste Schritte für Anfänger

Achtung: Mit der Infrarot-Fotografie können keine Wärmelecks aufgespürt werden. Dies geht nur mit speziellen Kameras.

Ich habe mich lange Zeit nicht getraut, mit der Infrarot-Fotografie zu beginnen, da mich verschiedene Artikel ziemlich verunsichert hatten. Mir fiel es schwer, aus der Masse der Informationen das herauszuziehen, was für den Start wirklich wichtig ist. Bei einem Infrarot-Workshop habe ich dann gesehen, daß der Einstieg in die SW-IR-Fotografie mit relativ geringem Aufwand möglich ist. Ich habe die wichtigsten Punkte des Kurses, eigene Erfahrungen und Hinweise von Besuchern dieser Seite hier zusammengefaßt.

Für weitergehende Informationen empfehle ich die folgenden Seiten.

Aber selbstverständlich stehe ich auch selbst für (einfache) Fragen zur Verfügung. Falls ich wichtige Punkte weggelassen oder unklar geschildert habe, bitte ich um eine kurze Rückmeldung. Falls jemand Fehler entdeckt, wäre ich für einen Hinweis dankbar. Dietrich Krieger


Besonderheiten IR:

Laub, Gras, Moos usw.:

wird in der Vergrößerung sehr hell, beinahe weiß (Wood-Effekt)

Wasser, ruhig:

wird in der Vergrößerung dunkel, fast schwarz

Wasser, aufgewühlt:

wird in der Vergrößerung weiß

Blauer Himmel

wird in der Vergrößerung sehr dunkel

Bewölkter Himmel mit Blauanteilen

wird in der Vergrößerung dramatisch, IR-typische Gewitterstimmung



Grundausstattung:

Für die Infrarot-Fotografie geeignete Kameras

Prinzipiell sind fast alle Kameras für die IR-Fotografie geeignet. (Da ich mit digitalen Kameras keine Erfahrungen habe, lasse ich diese Geräte außen vor, Grundinformationen sind bei der sehr empfehlenswerten Seite von digitalkamera.de zu finden).
Wichtig ist, daß sich an der Kamera ein Filter befestigen läßt, ansonsten wird die Geschichte sehr umständlich. Die Belichtungsmessung kann durch den Filter erfolgen, oder, besser noch, am Filter vorbei. Dabei muß selbstverständlich der Filterfaktor berücksichtigt werden, doch dazu weiter unten mehr.

Manuelle Kameras
Manuelle Kameras sind für die IR-Fotografie besonders gut geeignet, da bei der IR-Fotografie i.d.R. Belichtungsreihen sinnvoll sind. Näheres, insbesondere zu den Belichtungsreihen, folgt weiter unten beim Punkt Belichtungshinweise

Automatische Kameras
Auch Automatikkameras sind für die Infrarot-Fotografie geeignet. Belichtungsreihen können hier über eine manuelle Korrektur der Filmempfindlichkeit oder die sog. Bracketing-Funktion realisiert werden.

Spiegelreflex-Kameras (manuell oder automatisch)
Spiegelreflex-Kameras sollten entweder mit einem helleren Filter (25er) oder einem Filtersystem verwendet werden, welches ein schnelles Abnehmen des Filters erlaubt. Schwarze Schraubfilter sind hier unpraktisch. Sie müssen bei jeder Motivauswahl abgenommen werden, da sie den Sucherdurchblick versperren.

Sucher-Kameras (manuell oder automatisch)
Sucher-Kameras haben den Vorteil, daß sie eine Beurteilung des Motivs auch bei aufgesetztem (extremen) Filter zulassen. Bei der Belichtungsmessung ohne Handbelichtungsmesser muß bei der Einstellung der Filmempfindlichkeit beachtet werden, ob die Belichtung durch das Objektiv (und damit durch den Filter), oder über eine extra Meßzelle erfolgt.

Ich selbst messe bei IR-Bildern die Belichtung immer mit einem Handbelichtungsmesser, stelle die Werte manuell an der Kamera ein und komme mit dieser Methode am besten klar, aber da muß wohl jeder seinen eigenen Weg finden.

Neuere Autofocus-Kameras mit IR-Abtastung:
Laut Herstellerangaben sind Kameras mit Infrarotabtastung des Films, wie z.B. die EOS 500, für IR-Filme nicht geeignet. Ein Besucher dieser Seite, verwendet für sein IR-Hobby, mit viel Erfolg, aber genau dieses Gehäuse. Achtung: Niemals die IR-Diode in der Kamera abkleben! Dies führt dazu, daß der Film in die Kamera gespult wird, und sich nicht mehr entfernen läßt. Die IR-Diode belichtet lediglich ungenutzte Partien am Filmrand.

Dankenswerterweise hat der o.g. Fotofreund aus Österreich einen Bekannten veranlaßt, einen Kodak HIE in einer EOS 3 zu auszuprobieren. Einzelheiten (mit Bild) gibt es hier


Filter für die Infrarot-Fotografie:

Rot- oder Schwarzfilter
Einige der typischen interessanten IR-Effekte (Wood-Effekt) kommen dadurch zustande, daß die blauen Farbbereiche des Motivs durch Filter abgeblockt werden. (IR-Filme, die ohne Filter belichtet werden, ergeben extrem weiche und verwaschene Negative. Die Aufnahmen sind weitgehend unbrauchbar und ziemlich häßlich)

Die Verwendung von Schwarzfiltern empfiehlt sich aus praktischen Gründen nur auf Sucherkameras, da bei SLR-Kameras das Motiv sonst nur bei abgeschraubtem Filter ausgewählt werden kann. Und dann wird alles schnell sehr umständlich. Aber machbar ist es schon. Ausnahme: Filtersysteme mit schnell abnehmbaren Filtern, wie z.B. Cokin und Cromatek.

Wenn dagegen starke Rotfilter verwendet werden, kann das Motiv noch sehr gut mit aufgesetztem Filter beurteilt werden. Einige gängige Filter: BW 091 8-fach, Hama R 8 (25a), Wratten 25

Diafilm
Um sehr starke IR Effekte zu erzielen, kann ein Stück unbelichtet entwickelter Diafilm als Filter verwendet werden. Sobald ich Zeit dazu finde, werde ich das ausprobieren und die Belichtungsdaten hier bereitstellen.

Schraubfilter/Filtersysteme/Filterfolie Die Anschaffung von IR-Filtern für einen Satz Festbrennweiten mit unterschiedlichen Filtergewindedurchmessern ist nicht billig. Alternativ zu Schraubfiltern können auch Filtersysteme, wie z.B. von Cokin oder Cromatek verwendet werden. Diese Filter sind als Folien und inzwischen auch Glas von Rot bis Schwarz erhältlich.




Tip: Kameragehäuse nur für IR

Anfang

Lichtdichter Wechselsack

Manche IR-Filme müssen/sollen bei völliger Dunkelheit in die Kamera eingelegt werden. Da die Filmträgerschicht als Lichtleiter wirkt, kann Licht durch die Filmzunge auf den unbelichteten Film fallen. Auf einem zu Demonstrationszwecken bei Licht eingelegtem Kodak HSI waren die ersten 8 - 12 Aufnahmen mit einem Grauschleier belegt. Inzwischen habe ich von Fotografen gehört, die den Film ohne Qualitätseinbußen in abgedunkelten Räumen einlegen. Ich habe das selbst aber noch nie ausprobiert. Wenn jemand die SW-Infrarot-Fotografie mit wenig Aufwand ausprobieren will, scheint mir dies aber eine brauchbare Lösung zu sein.

Der Ilford SFX 200 und der Konica können bei gedämpften Licht eingelegt werden.

Anfang

Entwicklungsdose

Belichtete IR-Filme (Ausnahme: Ilford SFX) müssen schnellstmöglich entwickelt werden. Da außerdem nicht allzuviele Händler einen Entwicklungsservice für diese Filme anbieten, empfiehlt sich die Anschaffung einer Entwicklungsdose. In der Literatur und von den Filmherstellern werden normalerweise Entwicklungstanks aus Edelstahl empfohlen. Ich selbst verwende - wie andere mir bekannte Infrarot-Fotografen - eine normale Kunststoffdose und bin mit dem Ergebnis zufrieden. Allerdings entwickle ich meine Filme sowieso immer am Abend und stehe dabei auch nicht in grellem Licht. Schleier o.ä. sind bisher nicht aufgetreten. Entwickelt wird mit normalen SW-Entwicklern (Ich verwende meistens Ultrafin Plus 1+4). Die Positive kann dann jedes normale Labor herstellen.

Wer die Filme im Labor entwickeln lassen will, sollte unbedingt einen Hinweis, wie z.B. IR-Film - nur in absoluter Dunkelheit verarbeiten an der Filmdose anbringen.

Anfang


Empfehlenswert

Stativ

Weil durch die Verwendung von Filtern i.d.R. lange Belichtungszeiten notwendig werden, sollte bei der Infrarot-Fotografie ein Stativ mitgeführt werden.

So, das ist eigentlich schon alles, was ein Einsteiger braucht. Wem das schon zu aufwendig ist, der kann einen Ilford SFX 200 verwenden, doch dazu später mehr. Anfang

Hinweise

Belichtung

Die Belichtung von IR-Aufnahmen ist etwas schwieriger als die Belichtung von gewöhnlichen Dia- oder Negativfilmen. In Situationen mit hohem IR-Lichtanteil neigen Belichtungsmesser zur Überbelichtung, da sie den für normale Filme nicht relevanten IR-Anteil nur unzureichend bzw. garnicht berücksichtigen. Auch eine Belichtungsmessung durch einen IR-Filter behebt dieses Problem nicht. Hier hilft eine manuelle Korrektur des gemessenen Belichtungswertes weiter.

Aber niemand sollte sich deswegen entmutigen lassen, schon mein erster SW-IR-Film brachte für jedes Motiv ein korrekt belichtetes Negativ.

Belichtung - >Richtwerte und Korrekturfaktoren

am Beispiel des Kodak High Speed Infrared mit Rotfilter Hama R 8 (25a). Mit dieser Kombination habe ich meine ersten Erfahrungen mit der Infrarot-Fotografie gesammelt.

Belichtungsmessung mit der Kamera bei aufges. Filter und TTL-Messung, Korrektur in Lichtwerten


Handbelichtunsmesser einstellen auf:

400 ASA am Kamerabelichtungsmesser

50 ASA

Kunstlicht

- 1
(d.h. 1 Blendenstufe unterbelichten)

100 ASA

Sonne, mittags -

50 ASA

Sonne abends, morgens

- 1

100 ASA

bewölkt

+1

25 ASA

Stein

0 bis +1

50 ASA evtl. 25 ASA

Grün - Nadelholz

-

50 ASA

Grün - Laub, Gras

-1

100 ASA

Bei der Belichtung von IR-Filmen sollte man nicht zu geizig sein. Ich belichte meist Belichtungsreihen mit drei, in schwierigen Situationen vier Aufnahmen. Die Aufnahmen unterscheiden sich dabei jeweils um eine volle Blendenstufe (0/+1/-1). Die Trefferquote ist dabei sehr hoch. Kleinere Abstufungen machen nach meiner Erfahrung wenig Sinn.





Belichtungsdaten für den Konica

Tabelle für den SW-IR-Konica


Anfang


IR-Korrekturtabellen als PDF zum herunterladen


Objektive

Weitwinkelobjektive (auch Fisheyes) sind besonders gut für die Infrarot-Fotografie geeignet. Dabei ist zu beachten, daß Entfernungen nach dem Einstellen noch manuell korrigiert werden müssen. Viele Objektive besitzen zu diesen Zweck einen sog. Infrarotindex (Zoom-Objektive sind teilweise mit einer Infrarot-Einstellinie ausgestattet). Wenn die Motiventfernung durch Scharfstellen ermittelt wurde, muß die gemessene Entfernung von der normalen Einstellmarke zum Infrarotindex gedreht werden. Nähreres dazu findet sich i.d.R. in der Bedienungsanleitung des Objektivs.

Bei kleinen Brennweiten und kleinen Blendenöffnungen kann diese Korrektur entfallen.


Anfang

Infrarot-Filme:

Mir sind derzeit drei (vier) im Fotohandel erhältliche SW-IR-Filme bekannt: Der Film von Kodak muß bei absoluter Dunkelheit in die Kamera eingelegt und wieder entnommen werden. Der Konica kann - laut Herstellerangaben - bei gedämpften Licht eingelegt werden, ich verwende vorsichtshalber immer den Wechselsack. Nach der Belichtung sollten die Filme umgehend entwickelt werden. Ist dies nicht möglich, lassen sie sich bis zu vier Wochen im Gefrierschrank lagern. Unbelichtete Filme können bis zu vier Wochen in der Kamera aufbewahrt werden, wobei die Filmempfindlichkeit nachläßt.

Der Ilford ist kein reiner IR-Film, er kann problemlos bei gedämpften Licht eingelegt und entnommen werden.

Kodak High Speed Infrared (400 ASA)

(36 Aufnahmen, ca. 20 - 25 DM)

Der Kodak ist »der« klassische SW-Infrarot-Film. Er liefert die typischen (gewünscht unscharfen) IR-Bilder und hat an seiner Rückseite keine Lichtschutzschicht. Das Fehlen dieser Schicht verursacht die charakteristischen Überstrahlungen und Doppelabbildungen der IR-Bilder. Diese Effekte werden durch Reflektionen des Objektivlichts an der Filmrückseite und der Filmandruckplatte verursacht. Ein Wechselsack zum Einlegen ist beim Kodak sozusagen Pflicht.

Bei Verwendung eines 25-er Filters (8-fach) sollte an der Kamera die Nennempfindlichkeit von 400 ASA eingestellt werden. Bei Verwendung eines Handbelichtungsmessers muß dieser auf 1/8, also auf 50 ASA eingestellt werden. Der Kodak ist für Wellenlängen bis zu 900 nm sensibilisiert. Die maximale Empfindlichkeit liegt zwischen 770 und 800 nm.

Konica Infrarot

(24 Aufnahmen, ca. 12 DM)

Der Konica verfügt über eine Lichtschutzschicht und liefert relativ »gewöhnliche«, d.h. scharfe Bilder. Die bei der IR-Fotografie meist gewünschten Überstrahlungs- und Doppelabbildungseffekte entfallen weitgehend. Der Film ist für Wellenlängen bis zu 820 nm sensibilisiert (die maximale Empfindlichkeit im IR-Spektrum liegt bei etwa 750 nm), d.h. die IR-Effekte (dunkler Himmel, sehr helles Pflanzengrün) sind weniger stark ausgeprägt als beim Kodak HSI. Ich verwende den Film inzwischen recht gerne. Ein englischsprachiges Datenblatt gibt es hier.

Maco

Ich habe vor, den Maco gelegentlich zu testen. Das Datenblatt findet sich hier.

Ilford SFX 200

Der Ilford ist kein reiner IR-Film und zeigt die IR-Effekte weniger stark wie die Filme von Kodak und Konica. Er ist bis maximal 750 nm sensibilisiert. Bei der Verwendung eines 25-er Filters werden die Aufnahmen aber trotzdem sehr kontrastreich und bilden ein Mittelding zwischen gewöhnlichen SW-Aufnahmen und IR-Aufnahmen. Der Ilford ist sehr leicht zu handhaben und kann in jedem normalen Labor entwickelt werden. Man benötigt lediglich ein Rotfilter, und evtl. ein Stativ. Dadurch ist der Film besonders gut für Einsteiger geeignet.

©01.01.2004, Dietrich Krieger WebCounter by GOWEB